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Pressemitteilung 16.03.2020
 

Die Covid-19-Pandemie und Flüchtlingslager

 

Öffentliche Veranstaltungen werden im ganzen Land abgesagt, Schulen werden geschlossen, Behörden raten Menschen, sich von überfüllten Räumen fernzuhalten.

Aber diese Informationen und Diskussionen sind in deutscher Sprache. Flüchtlinge, die die deutsche Sprache nur begrenzt verstehen, sind auf soziale Medien oder Freund*innen angewiesen, um sich zu informieren. Die Flüchtlinge aus den Lagern in Eisenhüttenstadt, Wünsdorf, Doberlug-Kirchhain und natürlich aus allen anderen, kleineren Heimen in Berlin/Brandenburg, bekommen den Ernst der Situation so nicht aus verlässlichen Quellen vermittelt.

Es gab bis heute keine Information durch die Behörden zum Umgang mit Covid-19 in den Lagern an die Flüchtlinge. Beim Umgang mit der Pandemie in den Lagern haben die Flüchtlinge weder Mitspracherecht noch erfahren sie Transparenz.

Die Covid-19-Pandemie wird Flüchtlinge in den Lagern massiv betreffen.

Flüchtlinge in Deutschland sind beim Zugang zur medizinischen Versorgung durch das Asylbewerberleistungsgesetz diskriminiert: erst müssen Sozialbehörden konsultiert werden, ob Arztrechnungen bezahlt werden. In Suhl/Türingen wurde die gesamte Erstaufnahmeeinrichtung nach einem bestätigten Fall von Corona-Infektion unter Quarantäne gestellt (ca. 500 Menschen).
Dies wird fatale gesundheitliche Auswirkungen für die Anderen haben.

 

Wirtschaftliche und gesundheitliche Krisen können Autoritarismus und die Sündenbocksuche steigern – die rassistischen Attacken auf uns Flüchtlinge werden steigen, wenn nicht interveniert wird. Denken die europäischen Regierungen an die Folgen, die sich ergeben, wenn jemand aus diesen verletzlichen Gruppen positiv auf Covid-19 getestet wird?

Flüchtlinge leben europaweit in Massenunterkünften. Trotz der Pandemie finden nach wie vor Abschiebungen in einige europäische Länder statt. Polizei und rechte Gruppen an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland setzen alle Mittel ein, um Flüchtlinge am Grenzübertritt zu hindern.

 

Regierungspolitiker*innen sprechen statt von der sofortigen Evakuierung der Lager und einem Zugang zur gesetzliche Krankenkasse, über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Die Europäer*innen beschweren sich, dass Trump ihnen nicht erlaubt, in die USA zu reisen, sondern nur den Warenverkehr zuzulassen. Das ist was wir Flüchtlinge aus dem globalen Süden vom globalen Norden seit Langem erfahren. Die Bewegungsfreiheit wird uns verweigert, aber der freie Warenfluss ist zugelassen.

 

Es wird Zeit die #Nachbarschafts-challenge zu weiten. Nicht nur weiße, deutsche Nachbar*innen haben Recht auf Fürsorge und Gesundheit, auch Flüchtlinge.

Daher fordern wir von Women in Exile & Friends:

  1. Mehrsprachige Informationen, Transparenz der Behörden und Mitspracherechte der Geflüchteten in Erstaufnahmen

  2. Möglichst schnelle, dezentrale Unterbringung und Schließung der Lager

  3. Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung

  4. Bedingungsloses Grundeinkommen

     

All dies würde die jetzige Situation sehr entspannen.

 

Pressekontakt Women in Exile
Tel.: 01521 3070280 / info@women-in-exile.net


 
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