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Ein Projekt vom Journalistinnenbund e.V.

Geh doch mal zur Bäcker*in


In Wiesbaden lässt sich das Brötchenholen nun auch gendern, denn die Biobäcker*in hat den Genderstern im Namen. „60 Prozent unserer Mitarbeiter sind unter 40 und wir gendern auch im Unternehmen“, sagt Bäckerei-Inhaber Volker Schmidt-Sköries im Fernsehbericht des Hessischen Rundfunks. Haben Sie es gemerkt: Der Chef gendert nicht. Aber er lässt andere es tun, ein feiner Zug! Die Idee zur Umbenennung einer der vielen Filialen von „Biokaiser“ fand er sofort gut. Überraschend viel Positives bekam auch das Fernsehteam zu hören, als es für die hr-Sendung Maintower eine Straßenumfrage einholte (leider nicht mehr online). Der Laden brummt, während bei Facebook das übliche „Genderwahn“-Gemotze tobt. Wer regt sich darüber noch auf? Das Geschreibsel lockt – Achtung! – allenfalls die Medien an.
 
Wussten Sie das schon: Das schlichte „I love you“ wird im Hebräischen gegendert. Nein, nicht mit Sternchen, sondern im eigentlichen Wortsinn: Jedes Wort dieser simplen Phrase enthält eine geschlechtliche Zuordnung, quasi ein Outing. „Ich als Frau liebe dich auf ganz weibliche Art, der du … bist“. Sie verstehen schon. Will eine nicht-binäre Person ein Liebesgeständnis machen, wird es kompliziert. Hebräisch ist nun nicht gerade im Fokus der Arbeit von Genderleicht. Aber wir beobachten auch, wie es mit dem Gendern in anderen Sprachen läuft. So wurden wir auf die digitale Präsentation „Gender and Language“ von Minami Funakoshi aufmerksam. Sie ist elegant graphisch gestaltet von Sam Granados und wirklich sehr hübsch!

Auch gelernt in der Gender-Animation von Funakoshi: Von den zehn meistgesprochenen Sprachen der Welt markieren neun das Geschlecht: Wenn über eine Person gesprochen wird, und manchmal benennt auch die Person, die spricht, ihr Geschlecht. In vielen Sprachen wird das Adjektiv geschlechtlich angepasst, bei einigen sogar das Verb. Da haben wir im Deutschen Glück, dass wir vergleichsweise leicht gendern können. Ein Hoch auf die substantivierten Partizipien, die im Plural so schön geschlechtsneutral sind. Falls Sie sich fürs Internationale interessieren: Eine gute Übersicht über das Gendern in anderen Ländern hat die Sprachprofis GmbH zusammengestellt, ein Übersetzungsservice aus Hannover. Neun Sprachen, von Spanisch bis Arabisch, sind dabei.
 
In Italien erfährt geschlechtergerechte Sprache keine große Aufmerksamkeit. Aber denken Sie mal an Südtirol! 76 % der Menschen sprechen deutsch und die schauen deutsches Fernsehen, lesen deutsche Zeitschriften. So schwappt dann auch die Genderdiskussion von Deutschland nach Nord-Italien. Bei meinem Gendervortrag im Südtiroler Kulturinstitut war der Saal mit über 100 Zuhörenden rappelvoll, darunter viele Medienschaffende und einige, die es noch werden wollen. Überrascht hat mich in Bozen der Chefredakteur einer lokalen Zeitung: Er kannte Genderleicht.de schon lange und hatte damals seinen Mitarbeitenden unsere Schreibtipps ausgedruckt auf die Schreibtische gelegt. Wenn schon Italien, dann auch ein Interview im italienischen Radiosender rai: Auf deutsch natürlich konnte ich ein paar Gendertipps zum Besten geben.
 
Gendern ist eine Frage des Respekts für die geschlechtliche Vielfalt. Nachahmenswert ist der Transidentity Guide, den der OTTO-Konzern für seine Mitarbeitenden herausgebracht hat. Er ist downloadbar und enthält drei unterschiedliche Leitfäden: für die trans Kolleg*innen, für die Führungskräfte und für die Kolleg*innen von trans Personen. Selbst wenn Sie in Ihrem Arbeitsumfeld solche Tipps (noch) nicht brauchen, schauen Sie mal auf die Seiten 15 und 16. Da stehen Antworten auf Fragen, die trans Frauen und trans Männern häufig gestellt werden. Neugier ist verständlich, sie kann aber sehr verletzend sein. Es ist gut, sich vor der Fragerei selber schlau zu machen.

Auch bei 19 Grad am Schreibtisch munter
Christine Olderdissen
Projektleitung Genderleicht

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SCHREIB-TIPP


Schauen Sie sich mal wieder die vielen Gendervariationen an. Wir haben die neun bekannsten Genderzeichen auf einer Seite zusammengebracht.


Bei Genderleicht.de finden Sie → mehr Schreibtipps

VORSTÄNDIN, RADFAHRENDE & REDEPULT

GENDERWORTE DES MONATS


ZUSCHAUENDE
WEGSCHAUENDE
HERABSCHAUENDE
AUFSCHAUENDE
LIEBSCHAUENDE
usw.


Nutzen Sie auch schöne Partizipien zum Gendern? Haben Sie ein neues gefunden?
Schicken Sie das Wort an kontakt@genderleicht.de

GENDERLEICHT CLASSICS
BLICK ZURÜCK: LUISE F. PUSCH

 

"Das Deutsche als Männersprache" veröffentlichte Luise F. Pusch 1984. Das Buch ist zum Klassiker der feministischen Sprachkritik geworden. Mittlerweile geht die Linguistin auf die 80 zu und hatte in der Abgeschiedenheit des ersten Lockdowns die Idee, ihre Kindheit und Jugend aufzuschreiben. "So viele schwule alte Männer machen das", sagte die Autorin bei der Buchvorstellung in Berlin, "wir sollten es auch tun. Das lesbische Erleben ist deutlich anders und muss - auch für die Geschichtsschreibung - erzählt werden". Im September 2022 ist "Gegen das Schweigen" im AvivA-Verlag herausgekommen. Die biographische Erzählung ist ein bewegendes Dokument über Lesbischsein in den 1950er und 60er Jahren, im "Zeitalter der Ultra-Homophobie".

Wir haben die Mitbegründerin der feministischen Sprachkritik zum Start von Genderleicht portraitiert. 2020 haben wir sie im Interview um ihre Meinung zur tobenden Genderdebatte gebeten: Kecke Antworten einer Junggebliebenen.
 
Luise F. Pusch: Die feministische Linguistik hat ihr Leben bestimmt
Luise F. Pusch und der Genderstern, ein Interview
 
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