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Ein Projekt vom Journalistinnenbund e.V.

Frauen + Männer oder wie oder was?


Haben Sie das auch schon mal gehört? Männer fühlen sich bei den Wörtern Kolleg*innen und Kund*innen diskriminiert. Das -e ist weg, der Kollege nicht mehr sichtbar, beklagen sie sich. Ich habe beim Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim (IDS) nachgefragt. Dort wird zur Grammatik geforscht und so erfuhr ich: Der Wegfall des -e liegt an den Wortbildungsregeln des Deutschen, das Einbauen des Gendersterns geht nicht anders. Die wissenschaftlich fundierte Antwort des IDS habe ich in unseren meistgeklickten Beitrag im Textlabor eingebaut, mit dem interessanten Hinweis: Durch den neuen Gendersuffix *-in sind alle mitgemeint. Wenn erst mal die „Idiomatisierung" einsetzt, dann wird nicht mehr kontrolliert, ob alle Geschlechter Wortteil für Wortteil ausdrücklich angezeigt sind, sondern das Wort als solches wird allumfassend verstanden.

Da sind wir noch nicht, wie die nächste News zeigt: Denn es hat sich immer noch nicht richtig herumgesprochen, was der Genderstern bedeutet. „Beim Wort Nachbar*innen werden Nachbarinnen verstanden.“ Das ergab eine Studie der Universitäten Kassel und Würzburg. Die Psychologinnen und Psychologen stellten bei den 600 beteiligten Versuchspersonen einen „female Bias“ fest. Beim generischen Maskulinum gibt es hingegen einen „male bias“, hier werden öfter Männer mit dem Wort assoziert. Eine gleichstarke Vorstellung von Männern und Frauen werde nur erzielt, so die Forschenden, wenn sowohl die weibliche als auch die männliche Form (z.B. Nachbarinnen und Nachbarn) genannt werden. Hallo wach, der Genderstern hat eine umfassendere Bedeutung. Nochmal zum Mitschreiben: Bei Wörtern mit Genderstern geht es um Männer und Frauen und um alle erdenklichen Geschlechtsidentitäten. Es ist eine Markierung für alle zusammen. Sie sollte aber auch nur dann angewendet werden. Wenn ausschließlich Frauen und Männer gemeint sind, ist der Genderstern fehl am Platz.

Genderstern ist gut und schön. Nur: Wie werden Artikel und Pronomen gegendert? Das hat sich auch die Genderexpertin Sigi Lieb gefragt und ist für ihren Blogbeitrag tief in die Grammatik eintaucht. Auch auf die fast schon alltägliche Frage: „Welches Pronomen verwende ich für nicht-binäre Personen?“ hat die Trainerin und Beraterin passende Antworten gefunden.

„Jeder hat das Recht, entsprechend seines Geschlechts angesprochen zu werden, aber: Menschen im nichtakademischen Bereich verstehen nicht, dass das Sternchen bedeuten soll: männlich, weiblich, divers“, sagt Dr. Josef Lange, Vorsitzender vom Rat für deutsche Rechtschreibung. Deshalb bleibt der Rat nach wie vor dabei: „Es gibt keinen Anlass und keine hinreichende Entwicklung, das Sternchen in das Regelwerk zu überführen.“ Weitere Aufklärung ist also notwendig. Ein interessant gemachter Beitrag im SWR kann, vorsichtig gesprochen, dazu beitragen. Bei be:trifft Streitfall Gendern kommen alle Seiten zu Wort, daraus stammt auch das Zitat von Josef Lange. Spoilern muss sein: Die drei Gendergegner vom Anfang der Sendung zeigen sich am Ende weitgehend versöhnlich. Aber, wie sagt Josef Lange so schön gegendert: „Ansonsten möge jeder und jede so reden und schreiben, wie er oder sie es möchte“.

Machen Sie es doch auch wie Sie wollen!
Christine Olderdissen
Projektleitung Genderleicht

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Es gibt durchaus ästhetische Gründe, den Genderstern nicht zu mögen. Wo ein Problem ist, da findet sich auch prompt eine Lösung: Machen wir doch schöne Gendersterne, hat sich die junge Grafikdesignerin Hanna Witte gedacht und mit Form und Design experimentiert. Sprache ist weder eindimensional noch absolut, so ihr Credo. Und auch die Welt der Schriftformen ist so vielfältig, dass sich der Raum für Genderzeichen öffnen kann. Ihr Handbuch Typohacks ist Ratgeber für beides: Sprache und Typographie. Zur Finanzierung startete sie ein Crowdfunding, im Dezember 2021 ist das Buch erschienen.

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