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Newsletter No 1/21 der Almaawiya Primary School

Was ist los in Lamu?

Recht kurz entschlossen haben Karin Howell (Gründerin), Nico Jeuch (Architekt des Neubaus) und ich uns auf dem Weg nach Kenia gemacht, denn im August wollen wir die neue Schule einweihen und bis dahin gibt es viel zu tun. Darüberhinaus potenziert sich durch Corona die Armut in ganz Afrika. Die Menschen sterben weniger am Virus als vielmehr an den Kollateralschaden die COVID verursacht. Auch wenn wie aus unserem Umfeld wenig Verständnis für die Reise ernteten, merkt man spätestens vor Ort wie wichtig und dringend diese Reise war.

Starten wir den Bericht mit Schwung und guter Energie.

Hier klicken, aufstehen, Ton an und mitmachen!

Die gute Nachricht zuerst: politisch ist es zur Zeit relativ stabil in Lamu.

Der County hat 8 Monate Lockdown hinter sich und erstaunlicherweise sind relativ viele Touristen hier. Allerdings, so berichtet uns Mohamed Ali (Mitglied des Boards der Almaawiya Foundation), sind die meisten aus Nairobi oder afrikanischen Nachbarländern, wie Tansania angereist.

Es gäbe kaum Corona-Fälle, heißt es überall, und das hat uns natürlich stutzig gemacht. Wie kann es sein, dass die Pandemie die ganze Welt in Atem hält und hier nichts davon zu spüren ist. Wir haben bei Maliha (unsere Buchhalterin und Organisationsexpertin) nachgefragt und erfahren, wie sich die Sache verhält. Wer  Corona-Symptome hat, ist verpflichtet sofort einen Test zu machen. Den müssen sie selbst bezahlen und mit 4.000 Kenia Schilling (ca. 35 €), ist das schlichtweg für 80% der Menschen nicht machbar. Wenn sie positiv getestet werden, müssen sie in eine Quarantäne Einrichtung, deren Aufenthalt sie auch zahlen müssen und an solchem Betrag würden die Meisten vermutlich ihr Leben lang abzahlen. 

Was also passiert, ist, dass die Menschen sich in ihren Häusern und Hütten verstecken, ab und an mal Bohnen und Reis kaufen ansonsten nicht mehr vor die Tür gehen. Erstens haben sie panische Angst sich anzustecken oder schlimmer noch: jemand bemerkt  Symptome bei ihnen und zeigt sie an.

Somit reduziert sich natürlich die Verbreitung und es gibt kaum Fälle und wenn es welche gibt, erfährt es keiner. Und wenn es sie doch trifft und sie sterben, dann hat es wohl der liebe Gott oder Allah so für sie vorgesehen. Es ist schlichtweg eine andere Haltung, mit den Dingen umzugehen.

Was sofort auffällt, wenn man zur „alten“ Schule kommt, dass es nun auf dem Weg entlang der Wasserseite sehr viel mehr Motorräder gibt. Insgesamt sind es jetzt 300 zugelassene  Motorräder. Noch vor 5 Jahren gab es 3 Motorräder. Vor der Schule rasen sie in kamikazeartigen Manövern auf dem Gehweg entlang, da Strasse und Gehweg praktisch eins sind. Es wird immer offensichtlicher, dass die Entscheidung, ins Hinterland nach Kandahar zu ziehen, genau richtig ist.

Der Schulbetrieb

Seit dem 4. Januar 21 ist die Schule nach 8 monatigem Lockdown wieder geöffnet. 

Im November wurden keniaweite Vorprüfungen durchgeführt,  insbesondere für Klasse 4, der erste Jahrgang, der nach dem neuen Schulsystem weitermachen wird, (6 Jahre Primary School, statt 4 Jahre) und Klasse 8, die ihren Abschluss machen sollen. Diese Vorprüfungen dienten dazu, den Wissenstand der Schüler zu analysieren und wie gut vorbereitet sie in die „echte“ Prüfung Ende März gehen. Keniaweit sind die Ergebnisse aller staatlichen Schulen nach der langen Zeit ohne Unterricht sehr schlecht ausgefallen.  Bei den privaten Schulen waren die Ergebnisse besser, weil es einfach einen stabileren finanziellen Hintergrund gibt und Homeschooling durchgeführt werden konnte. Wir sind zwar auch eine Privatschule, allerdings haben unsere Schüler keine Elektrizität zuhause und dann machen auch Notebooks für einen digitalen Unterricht überhaupt keinen Sinn. Sie haben auch kaum ausreichend zu Essen gehabt, was man ihnen leider deutlich ansieht. Die Kinder sind sehr sehr dünn geworden. Seit dem 4. Januar essen die Kinder mit ordentlichem Appetit wieder in der Schule Ihr Porridge am Morgen und Ihr Mittagessen mit Reis, Bohnen und Gemüse.

Jumanne, unser Experte für Playbased Learning, selbst in einem Slum in Dar es-Salaam aufgewachsen, hat dafür gesorgt, dass es jeden Tag ein Angebot für die Schüler gab, um durch Spiele und Debatten sogenannte „Life-Skills“ zu lernen. Allerdings durften jeden Tag nur die Schüler von 2 Klassen kommen, wegen der Corona Restriktionen. Es war auch schwer die Eltern zu überzeugen, die Kinder ziehen zu lassen, eben wegen der Corona-Sorge. Der Vorteil war, dass wir an diesen Tagen auch kleine Snacks anbieten konnten. 

Die Ergebnisse der richtigen Prüfung Ende März müssen unbedingt besser ausfallen, denn davon hängt insbesondere für die Schulabgänger ab, ob sie auf eine der besseren Secondary Schools gehen können oder nicht. Und das wiederum entscheidet massgeblich darüber, welche Anschlusschance sich ergibt. Daher haben wir gemeinsam mit Maliha und unserem Schulmanager Abdul Karim beschlossen, dass die Klassen 4 und 8 bereits vor Öffnung der Schule im Dezember zusätzlichen Unterricht bekommen. Ab dem 4. Januar gibt es jetzt auch jeden Morgen von 07.0 - 08.00 Uhr und Nachmittags von  16.00 - 17.30 Uhr Extraunterricht, um möglichst viel von dem verpassten Stoff aufzuholen.

Was könnte an diesem wunderbaren Plan schwierig sein? Das  die Lehrer einfach nicht pünktlich erscheinen und recht schnell die Schüler auch nicht. Eine gute Idee also, aber schwierig in der Ausführung. Es wäre ja auch zu schön, wenn hier einfach immer alles glatt laufen würde :-). Der Schulmanager beobachtet das mit großen Augen seit geraumer Zeit und es fällt ihm aber auch nicht viel dazu ein. Leider. Da mussten wir jetzt mal eine Besprechung mit allen Lehrer anberaumen und mit ernster und besorgter Miene unser Missfallen zum Ausdruck bringen. Was ehrlich gesagt nicht ganz leicht ist. Denn wo, in solchen schwierigen Gesprächen, ist der Punkt, an dem sie ihr Gesicht verlieren? Den dürfen wir  auf keinen Fall überschreiten. 

Die andere Lösung, die wir uns überlegt haben: Denjenigen, die es nicht schaffen ein besseres Durchschnittsergebnis zu  erzielen, geben wir die Möglichkeit, die Klasse 8 zu wiederholen. Das belastet zwar unser Budget, aber es hat möglicherweise einen entscheidenen Einfluss auf den Lebensweg. Und hier zählt wirklich jeder Einzelne.

Die Schulreform

Eine kleine Wiederholung hier aus dem Januar 2020 Newsletter:  Wir befinden uns im Übergang zum neuen Schulsystem, das sich Kenia verordnet hat. Unsere Lehrer  haben zahlreiche Fortbildungen gemacht . Das bisherige System sieht vor: 8+4. 8 Jahre Primary School, 4 Jahre Secondary School. Das neue  Schulsystem sieht vor: 6+3+3. 6 Jahre Primary, 3 Jahre Lower Secondary, 3 Jahre Higher Secondary. Insbesondere aber wird sich die Art des Unterrichts verändern. Bisher ist der Frontalunterricht an der Tagesordnung und die Benotung erfolgt ausschließlich über die schriftlich erbrachte Leistung. Zukünftig wird das Lernen vermehrt in Gruppen, Projekten und an konkreten Beispielen stattfinden und in die Benotung fließt die mündliche Mitarbeit ebenso wie die schriftlichen Noten und das soziale Verhalten ein. Das entspricht viel mehr der Art des Lernens, wie auch wir es aus der Heimat kennen.

Unsere Änderung: Wir werden Unterricht bis Klasse 9 anstatt Klasse 8 anbieten und hoffentlich bald auch Higher Secondary School.

Der Neubau

Vor einem Jahr war der Prototyp eines Klassenzimmers fertig gebaut und einige Fundamente gelegt. Das war es eigentlich. Und nun, 11 Monate später sind so viele Gebäude bereits fast fertig gestellt. Täglich kommen zwischen 26 und 48 Fundis (Hilfsarbeiter), um auf der Baustelle anzupacken. Das ganze Jahr über war Nico, der Architekt, über WhatsApp im Austausch mit dem Bauunternehmer Fihri. Der ihm wiederum Bilder schickte und somit ganz wichtige Details und Fragen auch über große Distanz besprochen und geklärt werden konnten. Das ist bemerkenswert. Und jetzt war es für Nico unglaublich zu sehen, dass der Neubau bis auf Kleinigkeiten wirklich so gebaut wurde, wie es in den Plänen festgelegt und verabschiedet war. Innerlich hatte er sich schon auf einige „Überraschungen“ eingestellt.

Die Strategie, um Missverständnisse zu vermeiden, bestand darin, Schritt für Schritt vorzugehen. Und das sicherste Vorgehen war, das Besprochene immer noch einmal in einem Plan oder einer Skizze festzuhalten und zu übermitteln.  Das Verständnis auf visueller Ebene klappte immer am besten. Nico beschreibt die Arbeit mit Fihrie als wirklich gute Zusammenarbeit. Bei technischen Herausforderungen hatte der Bauunternehmer oft mit gute und auch kreative Lösungen anzubieten. Probleme wurden solange gemeinsam besprochen, bis die beste Lösung da war. Und da legt Nico auch eine bemerkenswerte Hartnäckigkeit an den Tag. Großer Dank gilt an dieser Stelle der Firma Jeuch Architekten AG, aus Zürich, das Architekturbüro von Nicos Vater, die das Backup und die Infrastruktur zur Verfügung gestellt haben und Nicos Vater, Patrick Jeuch, der selbst auch gerne mit kompetentem Rat zur Seite stand.

Ein paar Live Eindrücke

Hier hautnah miterleben, wie der Schulbau voran geht.

Hier klicken und das Video der Baustelle ansehen

Bleibt gesund

So Ihr Lieben, das wars erst einmal mit ein paar Neuigkeiten von der Schule.

Ich hoffe Ihr seid gesund und bleibt es auch, Inshallah würden jetzt unsere Kollegen aus Lamu sagen.

Herzliche Grüße Eure Susanne Preiss - 1. Vorsitzende Almaawiya e.V.

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