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Inhalt:
  • Zum Internationalen Frauentag
  • Serie: Unsere Berater*innen im Porträt
  • Das war One Billion Rising
  • Aktuelles aus unseren Projekten
  • Veranstaltungsankündigung
Zum Internationalen Frauentag
Birgit Hofstätter

In den letzten Wochen stand bei uns die Ausstellung „A Vulva is a Vulva“ von Gloria Dimmel stark im Mittelpunkt. Einerseits, weil wir dafür Werbung gemacht haben – natürlich wollen wir, dass Leute kommen, um sie anzusehen. Andererseits kamen viele Medienanfragen und Emails mit Rückmeldungen zur Ausstellung herein. Wir haben uns bemüht, jede Anfrage, jeden Beitrag zu beantworten. Wir haben uns über das Interesse und die Begeisterung gefreut, die die Ausstellung ausgelöst hat. Auch die Kritik daran haben wir uns genauer angeschaut. Darin wurde uns wiederholt nahegelegt, wir sollten uns doch um die wirklich wichtigen Probleme von Frauen* kümmern. Wie Frauen* zwischen den Beinen ausschauen würden, hätte doch gar nichts mit der Ungleichstellung zu tun. Ich glaube, der Internationale Frauentag ist ein guter Anlass, sich diese Behauptung genauer anzuschauen. Was hat die Vulva mit Frauenrechten zu tun? Oder will das Frauenforum mit dieser Ausstellung wirklich nur provozieren, um nach Aufmerksamkeit zu heischen?

Worauf basiert die Abwertung von Frauen*? Wenn wir in der Geschichte zurückschauen, wurde (und wird) bei der Argumentation für die vermeintliche Unterlegenheit der Vergleich des sogenannten „weiblichen Körpers“ mit dem „männlichen Körper“ herangezogen. Noch bevor von zwei Geschlechtern die Rede war, vor der Aufklärung, wurde der „männliche Körper“ als Norm und der „weibliche“ als eine „minderwertige" Version davon betrachtet (die Vagina als ein hineingestülpter Penis). Auch bei der Unterscheidung in zwei Geschlechter (was ja selbst aus Sicht von Biolog*innen nicht mehr haltbar ist) wurde/wird die Abwertung des „weiblichen Körpers“ und damit der Frauen* fortgeführt. Der „weibliche“ Körper wurde als schwächer, verletzlicher markiert, das Gehirn sei kleiner und daher auch kognitiv nicht so potent wie das „männliche“. Mit dieser Argumentation wurden Frauen* von Machtpositionen und Mitbestimmungsrechten ferngehalten. Das „männliche“ Geschlecht (und damit meine ich nicht nur die Geschlechtsidentität, sondern auch das körperliche Geschlechtsteil) wurde historisch (zumindest im europäischen Kulturkreis) als überlegen und aktiv definiert, während das „weibliche“ als empfangend, passiv, untergeordnet beschrieben wurde. Wenn wir uns Gegenüberstellungen von nackten Körpern ansehen, ist der Penis beim Mann* oft durchaus dargestellt, die Vulva allerdings durch einen Strich nur angedeutet oder gänzlich ausgelassen. Dieses Auslassen und Nichtzeigen bewirkt die Tabuisierung der Vulva und in weiterer Folge auch weiblicher* Sexualität. Und das setzt sich fort auf allen Ebenen. Der „weibliche“ Körper, insbesondere die Vulva und ihre Tabuisierung, steht also in direktem Zusammenhang mit der Stellung der Frau* in der Gesellschaft.  

Wie können wir sachlich und unaufgeregt über den „weiblichen“ Körper, über die Vulva und das Tabu um sie sprechen, über Sexualität, über Machtverhältnisse in Intimbeziehungen, über Unterdrückung von Psyche und Körper, über die Gewalt gegen Frauen*, über die Gewalt, die in Schönheitsidealen steckt – bis hin zur Vulva – ohne verdächtigt zu werden, es ginge uns „nur um Aufmerksamkeit“? Wie können wir über einen Bereich sprechen, der historisch zentral war in der Argumentation, warum Frauen* nicht gleichwertig und gleichberechtigt sein sollten? Der Penis, der Phallus, steht symbolisch für Macht. Was ist mit der Vulva? Sie ist unsichtbar. Auch wenn es manche Kritiker*innen nicht so sehen mögen: Mit einer Ausstellung von Vulva-Gipsabdrücken beschäftigen wir uns also durchaus mit einem der fundamentalsten Problemstellungen in den Geschlechterverhältnissen in unserer Gesellschaft – nicht nur zum Internationalen Frauen*tag.

Die Ausstellung kann noch bis 8. März besucht werden. Doch wir haben auch noch zwei weitere Punkte im Programm:
  • 5. März um 19:30 Uhr: Filmabend "Drogenmütter" von Natalie Halla via ZOOM (Anmeldung an office@frauenforum-salzkammergut.at)
  • 8. März um 10:00 Uhr: Lesung "Wachtraum" von Susanne Scholl mit musikalischer Begleitung von Simone Pergmann (voc.) und Bernie Rothauer (guit. perc.) im Freien Radio Salzkammergut – initiiert von den Kolleginnen der Frauenberatungsstelle Inneres Salzkammergut in Kooperation mit dem Frauenforum Salzkammergut
Und übrigens: Wir brauchen eure Unterstützung in diesen Zeiten mehr denn je! Mit einem Mitgliedsbeitrag von 25 Euro pro Jahr kannst du Aktionen ermöglichen, die wir sonst nicht finanzieren könnten.

Frauenforum Salzkammergut
IBAN: AT73 3451 0000 0581 5725
BIC: RZOOAT2L510
Raiffeisenbank Salzkammergut

UNSERE BERATER*INNEN IM PORTRÄT

Dr.in Susanne Felgel-Farnholz


Seit letztem Jahr konnten wir unser Beratungsteam um eine erfahrene Ärztin erweitern: Dr.in Susanne Felgel-Farnholz ist Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt auf Psychosomatik und psychotherapeutische Medizin. Wenn körperliche Leiden seelischen Verletzungen zugrunde liegen, ist sie also die richtige Ansprechpartnerin. Neben ihrem Engagement in der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin in der Allgemeinmedizin ist sie auch Schulärztin an der HLW und dem BG/BRG Bad Ischl. Im Frauenforum bietet sie Beratung für Mädchen z.B. bei Ängsten, Unsicherheit. Auch für systemische Familienberatung, Beratung für Mütter und Begleitung in medizinischen Krisen steht Susanne Felgel-Farnholz im Frauenforum zur Verfügung.

DAS WAR ONE BILLION RISING

One Billion Rising ist eine weltweite künstlerische Kampagne für ein Ende der Gewalt an Frauen* und Mädchen*. Laut UN sind weltweit ein Drittel, also eine Milliarde Frauen* und Mädchen* (auf Englisch „one billion“) von Gewalt betroffen.

Misogynie, also der Hass auf Frauen*, äußert sich auch in Gewalt an Menschen, die sich nicht mit dem ihnen von Geburt an zugewiesenen (männlichen) Geschlecht identifizieren - Trans*frauen und transfemininen Personen. Seit 2008 wurden weltweit 3.664 Morde an Transgenderpersonen bekannt, doch die Dunkelziffer wird auf ein Vielfaches davon vermutet. 98% der ermordeten Transpersonen sind Trans*frauen oder transfeminine Personen. 2020 wurden in Europa 11 Morde an Transpersonen erfasst, 50% davon waren Migrant*innen.

One Billion Rising ruft seit 2013 jährlich am 14. Februar zur Solidarität mit Gewaltbetroffenen auf und präsentiert sich als „tanzender Protest“. Aufgrund der Pandemie fanden Aktivitäten heuer online statt bzw. trugen Frauenberatungsstellen im Salzkammergut Installationen bei, die auf das Thema aufmerksam machten.

Das Frauenforum Salzkammergut reagierte auf das diesjährige Motto „Rising Gardens“ mit zwei Installationen – zum einen mit den „Zapatos Rojos“ („Rote Schuhe“), inspiriert von der mexikanische Künstlerin Elina Chauvet. Die roten Schuhe sollen das Ausmaß der Frauenmorde in Österreich sichtbar machen. Ein Paar Schuhe für jede getötete Frau. 2020 waren das laut Medienberichten 24 Frauen.

Gegenüber, auf den Fenstern im Erdgeschoß des Frauenforums (Kinderartikelverleih/Textilwerkstatt) setzte ein farbenfroher Garten einen Kontrapunkt. Der Garten symbolisiert Selbstversorgung und Unabhängigkeit und somit den ultimativen Widerstand gegen die zerstörerischen Kraft des Patriarchats und der kapitalistischen Ausbeutung von Frauen*arbeit weltweit.

AKTUELLES AUS UNSEREN PROJEKTEN

Nachricht aus der Marktschwärmerei

Mein Name ist Elisabeth Potrusil-Kloyber…
…und ich freue mich, ab März das Projekt Marktschwärmerei übernehmen zu dürfen.
Als eine der ersten CoworkerInnen habe ich die Marktschwärmerei hautnah miterlebt und im Frauenforum einen Raum gefunden, um meine persönliche unternehmerische Idee umzusetzen: im letzten Jahr gründete ich gemeinsam mit meinem Mann unser soziales Textil-Start-Up „Goodfabrics“, das u.a. Babytragehilfen nachhaltig, fair und transparent produzieren will. Mit dem Kauf einer Trage unterstützt man traditionelle Weberinnen in Ländern wie Mexiko, Indien oder Nepal, die die Stoffe händisch weben und durch eine faire und langfristige Partnerschaft wirtschaftlich ermächtigt werden.

Geboren und aufgewachsen in Oberösterreich, hat es mich zum Studieren nach Wien gezogen, wo ich fast 20 Jahre lang gelebt und gearbeitet habe. Während meines Studiums und auf zahlreichen Reisen habe ich mich oft mit Genderfragen, der Rolle von Frauen und weiblichem Empowerment auseinandergesetzt.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit habe ich letzten Sommer gemeinsam mit meiner Familie auch den Umzug von der Großstadt aufs Land gewagt. Durch einige Zufälle sind wir schließlich in Ebensee am Traunsee gelandet und haben dank Christina Jaritsch bald auch das Frauenforum und die Marktschwärmerei kennengelernt.

Daher freue ich mich umso mehr, mich und meine Ideen nun auch selbst einbringen zu dürfen und den Coworking Space und die Textilwerkstatt als Räume zum Arbeiten, zum Austausch und als Orte der Inspiration, Motivation und Kreativität gemeinsam mit euch zu gestalten!

Ab 15. März kann Elisabeth unter der Telefonnummer der Marktschwärmerei (+43 650 4404 791) und per Email unter info@marktschwärmerei.at kontaktiert werden.
 

Radiosendung „Villa LilaLaut“


Frauen führen in der Krise

Eine kürzlich veröffentlichte steirische Studie zeichnet ein Stimmungsbild von Frauen in Führungspositionen während der Pandemie. Birgit Hofstätter hat sich mit Anita Thaler, Wissenschafterin und Co-Autorin der Studie, online getroffen und ausgewählte Zitate aus den Interviews diskutiert. Der Bogen spannt sich vom Umgang mit Unsicherheiten, mit der Distanz zu den Mitarbeitenden, über Kinderbetreuung, Sorge um Angehörige bis hin zu Selbstfürsorge. Dazwischen gibt es passende Buchtipps - vom Fantasy-Roman bis zum Exkurs in die Kaffeekultur - und gute Musik. Am Ende stellt sich schließlich die Frage: Welche Eigenschaften brauchen Führungskräfte in diesen Zeiten?

Die Studie kann HIER nachgelesen werden
Nachzuhören ist die Sendung wie immer im Cultural Broadcasting Archive.

Neues in unserer Bibliothek

 
Parallel zu unserem neuen inhaltlichen Schwerpunkt entsteht in unserer Bibliothek eine neue Abteilung zu Sexualpädagogik, wie wir insgesamt unsere Bibliothek wieder auffrischen wollen. Wir werden im Newsletter Neuzugänge vorstellen – allesamt Bücher, die bei uns auch ausgeliehen werden können.

Wir machen heute den Anfang mit zwei Kinderbüchern:

„Lina, die Entdeckerin“ von Katharina Schönborn-Hotter, Lisa Sonnberger, Flo Staffelmayr (Achse Verlag)
Das Bilderbuch Lina, die Entdeckerin erzählt die Forschungsreise der neugierigen Lina, die ihren eigenen Körper entdeckt und bereist. Dabei wird die Vulva ins Rampenlicht gerückt – abseits von Unsicherheiten und Tabus. Lina weiß, dass ihr Geschlechtsorgan Vulva heißt – und nicht „dort unten“ oder „zwischen den Beinen“.
Linas unterhaltsame Reise wird ergänzt durch informatives Wissen rund um Körperbehaarung und -hygiene, Nacktheit und Erwachsenwerden. Mit dem Buch möchten die Autor*innen einen Beitrag leisten, um einen selbstverständlichen Umgang mit den Geschlechtsorganen bei heranwachsenden Menschen zu fördern. Der achtsame und präzise Umgang mit Sprache schafft eine Basis für ein positives Körpergefühl; das wertfreie Benennen aller Körperteile ist von großer Bedeutung für die Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmung der Kinder.

„Mein unsichtbarer Gartenzaun“ von Michaela Datscher
Mit diesem Buch setzt Michaela Datscher im Themenfeld Präventionsarbeit mit Kindern ein bewegendes Signal. Kombiniert mit liebevoll übersetzten Bildern von Eva Hohensinner verpackt sie zentrale Aussagen aus Praxis, Workshops und Seminaren und bereitet sie so auf, dass sie mit Freude vor- und selbstgelesen werden können. Die Autorin meistert die Brücke zwischen beeindruckend kindgerecht und hilfreich für Erwachsene auf sehr ansprechende Weise. Kurze, klare und einprägsame Botschaften sollen zu einem selbstbestimmten Umgang mit Gefühlen, Grenzen, Tabus und dem eigenen Körper ermutigen. Begleitet werden sie von einfühlsam gestalteten Zeichnungen. Beides kombiniert erreicht Lesende und Vorlesende genau dort, wo Prävention ansetzt: In Selbst-Bewusstsein und Herz! Ein Buch das hilft und berührt! Ein Buch für Kinder und Erwachsene!

VERANSTALTUNGSANKÜNDIGUNG

Ausstellung: „A Vulva is a Vulva”

bis 8. März 2021
Frauenforum Salzkammergut, Soleweg 7/4
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9-12 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (06133 4136)

Filmabend: Drogenmütter
5. März 2021, 19:30 Uhr

via ZOOM
Ein Film von Natalie Halla – die Filmemacherin wird für eine Diskussion im Anschluss anwesend sein.



 

Treffpunkt: Mama-Kind-Treff

Mittwochs, außer an schulfreien Tagen, 9-11 Uhr (bis zum Ende der COVID-Maßnahmen pausiert)
im Bunten Kinderhort, Kirchengasse 7
Herzlich willkommen ist jede Mama mit ihrem Kind/ ihren Kindern!
Verbringe einen netten Vormittag mit anderen Müttern und ihren Kindern!
Unkostenbeitrag: 2 €
Kontakt: Martina Weinberger: 0676 947 77 66
 

Treffpunkt: Französisches Frühstück

Dienstags, einmal monatlich; 9:30-11 Uhr (bis zum Ende der COVID-Maßnahmen pausiert)
im Frauenforum Salzkammergut, Soleweg 7/4
Bei Interesse Kontaktaufnahme per Telefon (06133 4136) oder Email (office@frauenforum-salzkammergut.at)
 
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